Ein Hundegeschirr. Wirklich?!

Die Communitas Monacensis hat ihre Saison ja bereits bei demHoffest auf dem Taubenbergbeendet. Doch Wolfgang, Astrid und Ich (aka die Staberl-Familie) werden vom 14. bis 15. Oktober bei der Küchenmeisterey auf der Bachritterburg Kanzach teilnehmen. (Mehr darüber dann auf dem Blog von guter Speise.)

Diese Veranstaltung ist ein guter Vorwand gewesen das neue Geschirr für unser Dackeldame Walli noch vor der Winterpause fertig zu stellen 😉

Zunächst möchte ich kurz über die historischen Möglichkeiten einen Hund im Zaum zu halten schreiben. Ein Geschirr ist KEINE. Die Darstellungen der Buchmalerei und auch der Bildhauerkunst zeigt lediglich Halsbänder. Auch die Funde (wie immer wenige) sind nur Halsbänder.

Wieso also hab ich mir die Arbeit gemacht und trotz meines Wissens eine unhistorische Variante für meinen Hund gemacht. Das hat einen extrem wichtigen Grund: Das Würgen der Halsbänder. Viele Hundebesitzer haben bereits von dem Halsband zu dem Geschirr gewechselt, weil sie ihren Hund nicht würgen wollen. Bei uns ist das natürlich auch ein wichtiger Punkt, doch es gibt noch einen wichtigeren. Unsere Tierärztin hat uns bereits bei dem ersten Besuch mit der damaligen Baby-Walli davor gewarnt sie an einem Halsband zu führen, da Dackel scheinbar einen sehr empfindlichen Kehlkopf haben. Aus diesem Grund hab ich ihr auch vor 3 oder 4 Jahren bereits ihr erstes Geschirr fürs Hobby gemacht. Da sie ein Langhaardackel ist, waren wir der Meinung ihr würde eine reiche Darstellung eher stehen als eine einfache 😉 . Deswegen haben wir uns für einen rot gefärbten Lederriemen mit 2 Bronzeschnallen und einem Bronzering für die Leine entschieden.

Doch wie man auf dem Foto gut sehen kann: Das Geschirr ist unübersehbar. Ist ja auch logisch wenn man eine derat knallige Farbe nimmt 😀 Diese Auffälligkeit im Zusammenhang mit der unhistorischen Lösung eines Geschirrs war mir nun schon lange ein Dorn im Auge.

Also hab ich mich hingesetzt, meine Pinterest Seite zu dem Thema erneut durchgeschaut und nach einer Lösung gesucht. Wie kann ich die Walli davon abhalten kleine weiße Hunde (ihre erklärten Erzfeinde ;)) anzugehen solange sie im Lager ist? Möglichst ohne sich im selben Moment zu erwürgen. Da sie dazu neigt sich in die Leine zu schmeißen fiel ein Halsband durch. Die einzige Möglichkeit war also ein Geschirr… Allerdings sollte das Neue sehr viel dezenter und nicht ganz so auffällig sein.

Deswegen habe ich mit für einen braunen Lederriemen entschieden, den mir die liebe Walburga mal geschenkt hatte. Diesen habe ich dann zunächst auf eine Breite von 1,5 cm zugeschnitten, damit Wallis lange Haare besser darauffallen und das Geschirr somit ein wenig verstecken können.

Ich experimentiere allerdings bereits schon mit Halbändern die sie nicht würgen. Ich hoffe, dass ich damit bald weiter komme. Dann hat sie wenigstens für Museumsveranstaltungen eine historisch korrekte Darstellung.

Zur Anleitung:

Man braucht:

  • Lederriemen
  • 1x Schnalle
  • 1x gerade Ahle
  • Bienenwachs
  • Pechdraht
  • Borsten
  • Hammer
  • eine scharfe Klinge
  • evtl. ein Brett

Meine ersten Lederarbeiten waren die Bausätze vom Meister Knieriem. Deswegen bin ich persönlich ein großer Fan von dem Pechdraht und seiner „verklebenden“ Eigenschaft. Dadurch hab ich das Gefühl mit einem stabileren Faden zu arbeiten, der auch mehr Last (wie zum Beispiel einen 5,7 kg schweren Dackel, der sich in die Leine schmeißt ;)) aushält. Ich habe für das Geschirr mit einem Pechdraht gearbeitet, der aus 3 Leinenfäden besteht. An jedes Ende des Drahtes wird eine Borste eingesetzt.

Das Geschirr besteht aus 4 Lederriemen unterschiedlicher Länge. Für das Nähen muss erst mit der Ahle ein Loch vorgestochen werden. Zum Schutz des Tisches lege ich ein Brett unter. Um besser durch das Leder zu kommen, steche ich die Ahle vorher immer erst in ein Stück Bienenwachs. Ich steche durch das ganze Leder und führe eine Borste von links und eine von rechts in den Stichkanal und ziehe sie dann in die jeweilige Richtung heraus. Die Naht wird festgezogen und nach dem Vernähen (einen Doppelknoten machen und den Draht kurz dahinter abschneiden) mit dem Hammer geklopft.  Besonders für die Biegung die das Leder bei der Schlaufe oder der Schnalle machen muss ist es ratsam das Leder vor dem Nähen auszuschärfen.

Schritt 1:Als Erstes habe ich ein Halsband genäht, das bei Zug auf ihren Schultern und nicht auf ihren Kehlkopf drücken wird. Dafür musste ich lediglich das Band etwas länger machen. (So ähnlich werde ich vermutlich auch ihre zukünftigen Halsbänder machen.)

Schritt 2: Der Riemen um den Brustkorb: Hierfür hab ich Wallis Brustumfang gemessen und ungefähr 10cm hinzugefügt. So kann man den Riemen nach Bedarf verlängern. An dem einen Ende habe ich die Schnalle genäht und das andere Ende hab ich zu einer Spitze zugeschnitten. So kann man den Riemen besser durch die Schnalle führen.

Schritt 3:Der Längsriemen oben: Zunächst hab ich der Walli die zwei bereits fertigen Lederriemen angezogen und in die richtige Position gerückt. Den Abstand zwischen den 2 Riemen inkl. der Breite der Riemen hab ich gemessen und noch 8 cm für die Schlaufe hinzugefügt. An dieser Schlaufe kann man dann die Leine festknoten.

Schritt 4: Der Brustriemen (aka Längsriemen unten): Hierfür musste die Walli erneut das halbfertige Geschirr anziehen. Diesmal hab ich den Abstand zwischen dem Halsriemen und dem Riemen um den Brustkorb von vorne/unten gemessen. Dieser wurde dann an das Halsband und an dem Riemen um den Brustkorb genäht.

Zum Anziehen muss man das Geschirr über Wallis Kopf streifen und ihr linkes Bein muss in das linke Loch des Geschirrs steigen.

Als Belohnung für alle die diesen langen Post durchgehalten haben gibt es jetzt noch eine Belohnung: Die schlafende Walli <3

Die Wall schläft während sie ihr neues Geschirr an hat. Wie man sieht, sieht man kaum was. Und in dieser Position werden die Besucher sie ohnehin am meisten sehen 😉

– Leah-Morgana

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