Ein Herrenbliaut – die Ausführung

Kaum näht man ein halbes Jahr mit der Hand, schon ist er fertig, der Herrenbliaut…  Im Herbst 2019 konnte er dann zum ersten Mal getragen werden, aber seither gab es leider keine Veranstaltungen mehr, auf denen er hätte ausgeführt werden können.

Über die Auswahl des Stoffes und den veränderten Schnitt hatte ich ja schon bei den Vorüberlegungen geschrieben. Das Material für den Besatz ist Wollköper in Krapp-Doppelfärbung vom Färbehof, gefüttert wurde mit indigogefärbter Seide.  Eine Teil der Näharbeiten konnte ich dann im Urlaub auf dem Odilienberg im Elsass erledigen. Im dortigen Kloster entstand im 12. Jahrhundert mit dem “Hortus Deliciarum” eine meiner Lieblings-Quellen und die Gebäude sind nach wie vor geprägt vom Geist dieser Zeit.

Auf diesem Foto erkennt man den Zuschnitt des Bliauts noch einmal genau (die Teile liegen auf dem Pflaster im Klosterhof). Der Ärmelkeil ist hier einmal diagonal gefaltet, im Ganzen wäre  dieses  Schnittteil quadratisch. Die  untere  Ärmelhälfte  habe  ich  angesetzt,  statt den Ärmel  im  Ganzen  zuzuschneiden.  Dadurch  kann  der  Ärmel  an der Oberseite  bis  zum  Ellenbogen  geschlitzt  werden,  wie  es  auf  einigen  Miniaturen  zu sehen ist.

Und jetzt fehlt natürlich noch das passende Untergewand mit Stepperei  und einer breiten Borte am Saum… Man ist eben nie fertig! 

Die schönen Stiefel stammen übrigens von Reenactmentbedarf Andreas Helfert, Fibel und Schapel von Andy Vogel.

Weitere Beiträge aus der Blogserie “Eine niederadlige Familie um 1170”

Vorüberlegungen zu einem Herrenbliaut

Niederadelige Familie um 1170

Ein Gürtel für Franzi

Bilder von Leah-Morgana Stadler und Walburga Schmidt

Eine niederadelige Familie um 1170

 

Unsere Darstellung ist die eines Niederadligen mit Familie, der vom Welfenherzog Heinrich dem Löwen im neugegründeten München zur Verwaltung seiner Besitzungen eingesetzt wurde. Heinrich der Löwe war zu seiner Zeit eine höchst umstrittene Persönlichkeit und mit vielen anderen Adeligen und kirchlichen Würdenträgern verfeindet. Da er zur Verwaltung seiner weit auseinanderliegenden Besitztümer zuverlässige Leute brauchte, setzte er als Verwalter gern Männer ein, die sich in seinen Diensten bewährt hatten, und zwar ohne Ansehen ihres Standes. Hielt die Familie es zwei Generationen auf einem Lehen aus, ohne abgesetzt oder vertrieben zu werden, war die neue Würde erblich. Seine Verwalter hätten sich für ihn in Stücke hauen lassen!

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